{"id":263,"date":"2020-12-28T18:00:00","date_gmt":"2020-12-28T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.n18.de\/?p=263"},"modified":"2024-01-09T18:03:44","modified_gmt":"2024-01-09T17:03:44","slug":"reparatur-einer-2m-endstufe-dressler-d200","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/2020\/12\/28\/reparatur-einer-2m-endstufe-dressler-d200\/","title":{"rendered":"Reparatur einer 2m-Endstufe &#8222;Dressler D200&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Ihr habt ja sicher bemerkt, dass Frank (DD3WY) und ich (Hartmut, DL1YDD) in der letzten Zeit immer wieder an meiner D200-PA gearbeitet hatten. Das Ganze entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem gr\u00f6\u00dferen Projekt als gedacht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/n18.de\/images\/D200-PA\/IMG_3631_red.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" id=\"system-readmore\"\/>\n\n\n\n<p>Los ging die Sache, als es beim Versuch die PA im heimischen Shack zu verwenden einen lauten Knall gab. Danach gab es keine Hochspannung mehr. Es stellte sich schnell heraus, dass die Prim\u00e4rsicherung des Hochspannungstrafos sehr spektakul\u00e4r durchgebrannt war. Wie konnte es anders sein: simples Ersetzen der Sicherung hatte nicht geholfen. Prim\u00e4re Ursache f\u00fcr das Durchbrennen der Sicherung war eine defekte Gleichrichterdiode im Hochspannungsteil. Die in der Vergangenheit bereits (nicht von uns!) mit hintereinanderl\u00f6teten 6&#215;32-Sicherungen reparierte Hochspannungssicherung (ca. 80 mm lang), wurde gegen eine neue ausgewechselt. Kosten pro Sicherung \u00fcbrigens rund 5 Euro pro St\u00fcck.<br><br>Die defekte Diode war schnell ersetzt, beim Einschalten knallte es aber gleich wieder: erneut Prim\u00e4rsicherung des HV-Trafos, die HV-Sicherung ist ganz geblieben. Danach war eine andere HV-Diode defekt (beide Male \u00fcbrigens mit Kurzschluss, daher der hohe Strom durch den HV-Trafo). Nun wurde der ganze Gleichrichter, bestehend aus 4 Ketten zu je 3 Dioden, ausgetauscht.<br><br>Das L\u00f6ten an der ca. 3 mm dicken Platine, die bis auf den Bauraum f\u00fcr den HV-Trafo die komplette Grundfl\u00e4che der PA einnimmt, gestaltete sich schwierig: sowohl Ober- als auch Unterseite sind dick mit einer Spr\u00fchlack-Schicht, so etwas wie Plastik 70, versehen. Man musste bei jedem L\u00f6ten durch diese Schicht hindurchl\u00f6ten. Weiterhin musste man bei jeder Messung sicherstellen, dass man mit der Me\u00dfspitze auch wirklich durch den Lack hindurch gestochen hat. Es stellte sich nachher auch heraus, dass der Lack zur Vermeidung von \u00dcberschl\u00e4gen zumindest an einigen Stellen zwingend erforderlich ist.<br><br>Nun lief also der HV-Trafo wieder und die Hochspannung war wieder da &#8211; zumindest halbwegs, was wir aber nicht sofort erkannten. Die Spannung war OK, beim Schalten der PTT floss Ruhestrom, jedoch zu viel und lie\u00df sich auch nicht einstellen. Hier kann man ein wenig abk\u00fcrzen: wir hatten einen defekten Spannungsregler, einen defekten Tantal-Elko und einen defekten Transistor gefunden und ausgetauscht. Danach lie\u00df sich der Ruhestrom wieder einstellen.<br><br>Nun sendeten wir vorsichtig in einen Dummy-Load hinein. Es kam auch halbwegs etwas heraus, aber es sprachen auch gleich Schutzschaltungen u.a. f\u00fcr zu gro\u00dfen Anodenstrom an. Nebenbei knallte es auch noch einmal heftig in der R\u00f6hre, die wir vorsichtshalber ersetzten. Gl\u00fccklicherweise waren etliche Ersatzr\u00f6hren vorhanden. Einer der OPs in der Schutzschaltung hatte ein nach innen abgeknicktes Beinchen, das wohl nicht immer Kontakt mit dem Sockel hatte. Dieser Fehler existierte vermutlich seit Anfang an: Auf der Platine steht 1979 als Datum. Ein weiterer OP war defekt, jedoch leider direkt in die Platine gel\u00f6tet. Hier l\u00f6teten wir gleich einen Sockel ein, was sich als sehr hilfreich herausgestellte: wir hatten den OP im Laufe der Aktion noch mehrfach kaputt gemacht. Beim Entl\u00f6ten war trotz professionellem Werkzeug das eine oder andere L\u00f6tauge verloren gegangen, so dass auch hier ein wenig repariert werden musste.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/n18.de\/images\/D200-PA\/IMG_3638_red.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"253\"><br><br>Nun konnten wir mit der PA in den Dummy-Load senden ohne sofort die Schutzschaltung ansprechen zu lassen. Die PA verhielt sich auch auf den ersten Blick auch vern\u00fcnftig, bis wir uns dann die Aussendungen auf einem zweiten Transceiver angeh\u00f6rten. Es war bei FM ein heftiges, bei SSB ein immer noch deutlich zu h\u00f6rendes Netzbrummen auf dem Signal zu h\u00f6ren.<br><br>Hier hatten wir zun\u00e4chst die Gitterspannungen in Verdacht, diese waren aber OK. Zu unser beider Erstaunen war die Anodenspannung von 2.8 kV eigentlich nicht mehr als Gleichspannung zu bezeichnen, sondern mehr als eine ins Positive verschobene Wechselspannung. Die Siebung geschieht mit 14 einzelnen Elkos, die paarweise parallel- und dann in Reihe geschaltet sind. Die meisten davon hatten statt 100 uF nur noch unter 1 uF Kapazit\u00e4t. Das war jetzt ein gr\u00f6\u00dferes Problem, denn die Elkos haben ein sehr eigenwilliges Pinout: 3 Halte-Pins plus zwei weitere Pins f\u00fcr den Anschluss. Direkter Ersatz war auch nach l\u00e4ngerem Suchen nicht zu bekommen.<br><br>Ich suchte daher elektrisch passende Elkos mit erweitertem Temperaturbereich, die heute mechanisch kleiner als die urspr\u00fcnglichen sind und eine 10% h\u00f6here Nennspannung aufweisen. Zur mechanischen Adaption entwarf ich einen Satz Adapterplatinen, inkl. Abstandshalter\/Passer aus Platinenmaterial. 50 S\u00e4tze diese Platinen wurden in China zu einem sehr g\u00fcnstigen Preis gefertigt und so pinkompatible Ersatz-Elkos aufgebaut. Damit war die Anodenspannung dann auch gleich ein paar Hundert V h\u00f6her als mit den alten elektrisch kaum noch wirksamen Elkos.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/n18.de\/images\/D200-PA\/IMG_4019_red.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/n18.de\/images\/D200-PA\/IMG_4223_red.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Beim Test nur mit PTT und ohne Steuerleistung fing dann die PTT-Schaltung zyklisch an zu klappern und der Anodenstrom sprang ein wenig hin und her. &#8222;Ohne Steuerleistung&#8220; hei\u00dft: ohne angeschlossenen Transceiver und ohne Dummy-Load, wir wollten ja gar keine HF erzeugen sondern zun\u00e4chst nur den Ruhestrom ansehen. Man sollte aber so eine PA nicht ohne Abschluss betreiben, das hatte uns bestimmt eine halbe Stunde Messen gekostet: Sobald man mit dem Multimeter die Steuergitterspannung ber\u00fchrte, h\u00f6rte der Spuk auf. So kann man sich nat\u00fcrlich auch &#8222;besch\u00e4ftigen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/n18.de\/images\/D200-PA\/IMG_3635_red.jpg\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"253\"><br><br>Nun funktioniert die PA wieder prima: Das zur\u00fcckgeh\u00f6rte Signal ist sehr sauber, man merkt &#8211; bis auf den Signalpegel &#8211; keinen Unterschied ob die PA ein- oder ausgeschaltet ist. Nimmt man den einsetzenden Strom auf Gitter 2 als Kriterium, so kommen ca. 330 W heraus. Es w\u00fcrde wohl auch etwas mehr gehen, dann f\u00e4ngt aber auch die Schutzschaltung schnell an zu greifen.<br><br>Danke an Frank, DD3WY, f\u00fcr die tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung. Wir rechneten beide nicht damit, dass derart viele Probleme zu beseitigen waren. Wirtschaftlich war diese Reparatur bestimmt nicht, aber das wei\u00df man vorher ja nicht und au\u00dferdem m\u00f6chte man sich ja auch von so einer bl\u00f6den PA nicht geschlagen geben.<br><br>Das n\u00e4chste Projekt k\u00f6nnte das 70 cm-Pendant D70 sein: hier tut sich au\u00dfer dem L\u00fcfter gar nichts mehr. Eine erste Untersuchung ergab einen satten Kurzschluss im 12 V-Zweig, der die komplette Schutz- und Timer-Schaltung versorgt. Abl\u00f6ten einiger direkt sichtbarer Tantals brachte keinen Erfolg. Ich denke ich werde mit Current Pulser und Tracer herangehen, das ist uralte Technik von Hewlett-Packard (HP 546A und 547A), die es heute leider nicht mehr zu kaufen gibt.<br><br>Hoffentlich wird das nicht wieder so eine Aktion wie bei der D200!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reparatur von Hartmuts (DL1YDD) 2m-Endstufe.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":264,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-263","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/263","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=263"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/263\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":266,"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/263\/revisions\/266"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/264"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=263"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=263"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.n18.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=263"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}